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Am 1. Mai 1987 kommt es bei einem Straßenfest in Berlin Kreuzberg zu Straßenschlachten zwischen Besuchern, Anwohnern und der Polizei. Seitdem gibt es fast jedes Jahr am Maifeiertag Krawalle in Berlin. 2002 führt Innensenator Ehrhart Körting die Deeskalationsstrategie ein – mit Erfolg. 1987 Am Vormittag findet eine DGB-Kundgebung statt – Motto: "Arbeit schaffen – Umwelt schützen – Technik sozial gestalten". In Kreuzberg am Lausitzer Platz feiern Berliner und Touristen ein alternatives Stadteilfest. Militante Aktivisten stören das Fest, die Polizei antwortet mit Gegengewalt; die Situation eskaliert. Nach stundenlangen Straßenkämpfen zieht sich die Polizei aus Kreuzberg zurück. Bilanz: 400 Polizisten, 47 Festnahmen, über 100 Verletzte, Schäden "in Millionenhöhe".
1988 Als Reaktion auf die Krawalle im Vorjahr, richtet die Polizei unter Innensenator Kewenig die "Einheit für besondere Lagen und einsatzbezogenes Training" ein, kurz EbLT. Zum ersten Mal werden Panzerwagen eingesetzt. Die autonome Bewegung organisiert eine unabhängige "Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration" durch Kreuzberg und Neukölln. Nach einem Straßenfest auf dem Lausitzer Platz gibt es erneut Krawalle. Es zeigt sich ein "Randale-Ritual" von Jugendlichen, Betrunkenen und Touristen. Bilanz: 1.500 Polizisten im Einsatz, über 100 Verletzte, 134 Festnahmen.
1989 Der rot-grüner Senat versucht den 1. Mai zu entschärfen. Die EbLT wird durch Innensenator Pätzold aufgelöst. "Für ein soziales Europa", so das Motto der DGB-Demonstration. 50.000 Menschen nehmen teil. Nach der "Revolutionäre 1.-Mai-Demonstration" mit 10.000 Menschen kommt es zu ersten Zusammenstößen auf dem Weg zum Straßenfest auf dem Lausitzer Platz. Die Polizei räumt das Fest unter Einsatz von Tränengas und Wasserwerfern. In der Geschichte der Mai-Krawalle sind dies die schwersten Auseinandersetzungen: 1.600 Polizisten, 346 Verletzte, 154 beschädigte Polizei-Fahrzeuge, 20 Festnahmen, Sachschäden in Höhe von 1,5 Millionen DM.
1990 Erster Mai-Feiertag nach Mauerfall: DGB-Demonstration "100 Jahre 1. Mai – Solidarität sichert unsere Zukunft" gegen "Lieber raus auf die Straße als heim ins Reich!" der "Revolutionären 1.-Mai-Demo". Zunächst verläuft alles friedlich, sowohl Demo als auch Straßenfest in Kreuzberg als auch die alternative Demonstration in Ost-Berlin mit 2.000 Menschen. Als Auslöser für die Auseinandersetzungen wird diesmal das Verhalten der Polizei genannt. Für einen Übergriff von Polizisten gegen zwei Pressefotografen und ein Kamerateam des SFB muss sich Innensenator Pätzold öffentlich entschuldigen.
1991 Infolge der Wiedervereinigung gibt es politische Konflikte über die Ausrichtung der "Revolutionären 1.-Mai-Demo" und den Verlauf ihrer Route. Es finden zwei Feste statt: eines auf dem Lausitzer Platz in Kreuzberg, eines am Kollwitzplatz in Prenzlauer Berg. Der Lausitzer Platz wird später geräumt. Insgesamt sind 4.500 Polizisten im Einsatz, es gibt 181 Festnahmen, geringe Sachschäden. Innensenator Heckelmann attestiert Berlin, mit dem massiven Polizeieinsatz auch die Bewährungsprobe als Regierungssitz bestanden zu haben.
1992 Es gibt kein Straßenfest in Kreuzberg. Dennoch kommt es ab Nachmittag zu Unruhen rund ums Kottbusser Tor. Unter dem Motto "Der Osten schlägt zurück" findet abends eine Demo in Prenzlauer Berg statt. Diese endet mit Steinwürfen und Plünderungen. Die Polizei stockt auf: Insgesamt 5.000 Polizisten und Männer vom Bundesgrenzschutz (BGS) sind im Einsatz, 294 Festnahmen, zahlreiche beschädigte Schaufenster und Autos. Für den Schuss einer Tränengasgranate in ein Lokal entschuldigt sich Polizeipräsident Schertz.
1993 Als bewusste Abgrenzung zum Kreuzberger 1. Mai gibt es ein Straßenfest am Helmholtzplatz in Prenzlauer Berg. Die "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" in Kreuzberg kann aufgrund starker Polizeipräsenz nicht zu Ende geführt werden, es gibt viele Verletzte trotz der eher kleiner Auseinandersetzungen.
1994 Statt einer "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" gibt es eine Demonstration der Kreuzberger Spaßpartei "Kreuzberger Patriotische Demokraten/Realistisches Zentrum" (KPD/RZ) unter dem Motto "Gegen nächtliche Ruhestörung und sinnlose Gewalt" mit rund 2.500 Menschen. Die Polizei löst die Demo auf. Ebenso das "Internationalistische Straßenfest" auf dem Oranienplatz mit einigen tausend Menschen.
1995 Wie im Vorjahr findet erneut keine "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" in Kreuzberg statt. Am Tag zuvor gibt es eine Walpurgisnacht-Feier am Kollwitzplatz. Als die Polizei das Walpurgisfeuer löscht und das Fest auflöst, ruft sie den Widerstand der feiernden Menschen hervor. Am 1. Mai selbst gibt es ehere kleinere Unruhen. Es sind die "geringsten Sachschäden seit 1987".
1996 Die Walpurgisnacht-Feier in Prenzlauer Berg bleibt weit gehend friedlich. Am 1. Mai gibt es ein Stadtteilfest am Humannplatz. Zwei getrennte linke Demos finden in West und Ost, in Kreuzberg (rund 3.000) und von Mitte nach Prenzlauer Berg (rund 10.000 Menschen) statt. Am Kollwitzplatz wird randaliert. Unter Innensenator Schönbohm werden Polizeiaufgebot und BGS-Einsatz aufgestockt: fast 50 verletzte Polizisten, 201 Festnahmen.
1997 Aufgrund der Erfahrungen mit der Walpurgisnacht in den Vorjahren gibt es einen massiven Polizeieinsatz in der Gegend um den Kollwitzplatz. Wiederum finden zwei alternative Demos statt, in Mitte und in Kreuzberg. Ebenso gibt es Feste in Ost und West: in Prenzlauer Berg (Humannplatz) und am Mariannenplatz in Kreuzberg. Letzteres wird nach Krawallen von der Polizei geräumt. Festnahmen, mehrere ausgebrannte Autos, Sachbeschädigung in 34 Fällen.
1998 Zum "Tag der Arbeit" findet ein Sternmarsch der Gewerkschaften mit 8.000 Menschen statt. Eine Demo in Kreuzberg, die zum ersten Mal am Abend stattfindet, verläuft ruhig. Stattdessen kommt es zu Straßenschlachten in Mitte und Prenzlauer Berg. 5.000 Polizisten sind im Einsatz, es gibt 407 Festnahmen. Im Anschluss reicht die Bandbreite der Aussagen über von einer erneuten Erfolgmeldung der Polizei über ihre geglückte Strategie der Einschüchterung bis zu "schwerste Krawalle seit Jahren".
1999 15.000 Menschen nehmen an Sternmärschen und an der Maikundgebung teil. Die zentrale Forderung: ein sofortiges Ende der NATO-Bombardements in Jugoslawien. In Kreuzberg eskaliert die Situation nach zunächst kleineren Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Es gibt zahlreiche verletzte Demonstranten. Folge: 21 Polizeibeamte werden wegen Körperverletzung im Amt angezeigt.
2000 Erster Maifeiertag unter Innensenator Werthebach, der danach eine Verschärfung des Demonstrationsrechts fordert. Bilanz: 279 verletzte Polizisten, 401 Festnahmen.
2001 Die "Revolutionäre 1.-Mai-Demo" wird verboten. Wüste Straßenschlachten sind die Folge. Über 600 Festnahmen, darunter, wie sich später herausstellt, auch viele unbegründete.
2002-2006 Die von Innensenator Ehrhart Körting eingeführte Deeskalationsstrategie zeigt Erfolge. Seitdem weitgehender vergleichsweise friedlicher Verlauf. Bestehen bleibt das Problem jugendlicher Steinewerfer und Schaulustiger. 2003 findet das erste von Bezirksamt, Vereinen und Anwohnen organisierte "MyFest" in Kreuzberg statt.
2007 Der DGB lädt ein zur 1.-Mai-Demo vom Brandenburger Tor zum Roten Rathaus und dort zu einer Kundgebung. Das Fünfte "MyFest" in Kreuzberg steht unter dem Motto "Farbe bekennen – für Arbeit, Bildung und kulturelle Vielfalt". Trotz des 20. Jahrestags der Krawalle bleibt es ein weitgehend friedlicher 1. Mai, erst am Abend kommt es zu vereinzelten Ausschreitungen.
2008 Trotz einiger Krawalle im Stadtteil Kreuzberg spricht die Polizei von einem ruhigen 1. Mai. Insgesamt seien 138 Randalierer festgenommen und 90 Polizisten verletzt worden. Neben der starken Polizeipräsenz führen viele Beobachter das weitgehende Ausbleiben großer Krawalle auf den Erfolg des Straßenfests "Myfest" zurück. Deren Organisatorin Silke Fischer zeigt sich allerdings nach dem 1. Mai verärgert: Sie kritisiert das Verhalten der Händler auf dem Fest in Berlin-Kreuzberg, die rücksichtslos um die Kundschaft kämpften. Einige Gewerbetreibende hätten auch am Ende des Festes ihren Müll einfach auf die Straße geworfen. Bevor sie über eine Neuauflage des Festes im kommenden Jahr entscheide, müssten einige Fragen geklärt werden, kündigt Fischer an. Quelle: rbb Online
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